Texte

Matthias Brandes

Sprachlosigkeit

Es gibt natürlich auch jede Menge Kunstwerke, die sprachlos sind. Aber dennoch teilen sie etwas mit, nämlich die einfache Tatsache, daß es sie gibt und damit einen Künstler, der sie erschaffen hat und der nichts anderes mitteilen will, als daß er einer ist, der Kunstwerke schafft, die nichts anderes mitzuteilen haben, als daß es sie gibt und damit einen Künstler..... Das erinnert an das berühmte Lied von Hund, der in die Küche lief. Diese Endlosschleife entsteht durch eine ausschließliche Selbstbezüglichkeit. Ein solches Kunstwerk kann durchaus gefallen. Es kann eine ästhetische Qualität haben etwa dadurch, daß seine Farbe zur neuen Couchgarnitur paßt.

Mit Sprache ist ja immer ein System von Zeichen gemeint, mit dem auf etwas verwiesen wird, das auch außerhalb des Zeichensystems und unabhängig von diesem existiert. Sprache ermöglicht zwei Individuen, sich über etwas zu verständigen. Die einfachste Aussage überhaupt könnte heißen: "Ich bin da". Selbst Insekten können diese Aussage machen. Es reicht ein Geräusch oder einen Laut zu erzeugen.. Aber niemand erwartet von einer Mücke großartige Mitteilungen, im Gegenteil: Hat man erst einmal ihren Summton vernommen, mit dem sie die für uns durchaus interessante Mitteilung macht, daß sie jetzt in unserer Nähe vorhanden ist und uns stechen will, schicken wir uns zumeist sofort an, ihre Existenz zu vernichten.

Ein Kunstwerk, daß nichts anderes mitzuteilen hat, als daß es existiert und damit auch ein Künstler usw. usw. hat kaum mehr Aufmerksamkeit verdient.