Texte

Matthias Brandes

Prägnante Formen

Ein entscheidendes Moment bei der gegenständlichen Darstellung, und das gilt auch für die Tafelbild -Malerei, ist das Erfinden von prägnanten Formen. Die Ansicht einer Flasche ganz von oben oder unten besteht nur aus konzentrischen Kreisen. Man kennt diese ungewohnten Darstellungen einfacher Dinge aus bestimmten Bildwitzen mit dem Titel "Was ist das". Eine prägnante Form hat die Qualität eines Zeichens. Sie ist Teil unseres visuellen Alphabets, das wir in der Kindheit erwerben. Aber es ist natürlich relativ langweilig, wenn auf gegenständlichen Bildern immer nur dieselben, stereotypen Abbildungen oder gar Piktogramme zu sehen sind. Ebenso wie immer wieder die Buchstaben des Alphabets neugeschnitten und damit neue Schriften erschaffen werden, die sich nur in kleinen Nuancen von den bereits bekannten Schriften unterscheiden besteht eine Aufgabe der gegenständlichen bildenden Kunst darin, immer neue Nuancen in der Darstellung des bereits Dargestellten zu entwickeln ( was nichts zu tun hat mit der zumeist dümmlichen sogenannten Abstraktion, die sich die Mehrzahl der mittelmäßigen Künstler zur Aufgabe setzen zu müssen glaubt). Aber es ist ja leider garnichts gewonnen, wenn man einen Kopf oder einen Apfel nur als Kreis oder Ellipse darstellt. Im Gegenteil, derartige "Modernität" ist ebenso akademisch stumpfsinnig wie das sklavische Abpinseln von Fotografien. In beiden Fällen, demonstrieren die Macher nur ihre eigene Einfallslosigkeit, ihre Unfähigkeit Form zu schaffen.