Texte

Matthias Brandes

Imagination oder Imitation

Ich habe die Imagination immer der Imitation vorgezogen. Ein Bildnis schaffen heißt nicht täuschen, im Gegenteil, es heißt eine Gleichwertigkeit zwischen zwei autonimen Welten herstellen: Einerseits die Malerei mit ihren Mitteln wie die Anordnung der Formen, der Farben und ihrer materiellen Struktur im Rechteck des Bildes, andererseits die konkrete Materialität der Dinge und ihre Anordnung in der Realität. Ich gehe davon aus, daß die Dinge ihre Gegenwart haben ohne vom Licht getroffen und damit sichtbar zu werden. Sie werden durch alle unsere Sinne wahrgenommen und sind gegenwärtig durch unsere alltägliche kollektive Erfahrung. Und so ist die Darstellung der Dinge in meiner Malerei weder impressionistisch (an die Wirkung des Lichts gebunden) noch expressionistisch (auf Subjektivität gegründet). Und umsoweniger sind die Dinge ein Vorwand für absrakte künstlerische Spielarei. Ich suche, die Dinge so darzustellen, wie sie sich in mein Bewußtsein eingeprägt haben. Allerdings: Je mehr ich mich an grundlegende und archaische Gegenwärtigkeit der Dinge anzunähern versuche, desto mehr laden sie sich mit Bedeutung und metaphorischem Wert auf.