Texte

Matthias Brandes

Erzählerischer Raum

Meine Bilder schaffen einen erzählerischen Raum. Das ist zwar unmodern, aber es wirkt stärker auf den Betrachter als die stark formalistischen Lösungen. Einige Abstrakte reklamieren ja gerade die völlige Eigenständigkeit ihrer Werke von dem Repertoire realistischer oder naturalistischer Vostellungen. Das Bild behauptet autonome Realität, die nicht nur eine eigene ästhetische Faszination ausüben kann, sondern auch Bezüge auf verschiedene philosophische, ästhetische, kulturelle, politische usw. Erfahrungen und Diskurse herstellen kann. Das historisch sicherlich sehr bedeutsame und ästhetisch faszinierende völlig schwarze Großformat von Barnett Newman ist dafür ein klassisches Beispiel. Man muß dabei allerdings wissen, daß Newmann Jude ist und man muß sich etwas mit seinem Werk beschäftigen. Aber das gilt auch für jedes komplexere Werk der Musik, der Literatur usw. Vieles erschließt sich erst durch eine entsprechende Bildung.

Das Problem ist nicht durch einfache Verdikte zu klären. Der visuelle Zugriff allein ist sicherlich nicht immer hinreichend.

Wie aber den ganzen spekulativen Mist von den großen Leistungen unterscheiden? Durch allseitige Beschäftigung mit der Kunst, durch vieles Sehen, Lesen, Nachdenken. Für uns Maler natürlich auch durch die eigene praktische Arbeit an Bildern. Der Künstler hat einen privilegierten Zugang. Aber der ist keineswegs eine Garantie. Im Gegenteil, die eigene Subjektivität, das Sich-Vergleichen führt leicht zu gewaltigen Fehleinschätzungen.