Texte

Matthias Brandes

Das Haus...

Ich male Dinge die mich faszinieren. Ich versuche díe Dinge so genau wie möglich darzustellen, aber nicht, wie sie in Wirklichkeit aussehen, sondern wie ich sie mir vorstelle. Es hat sich ergeben, daß mich ein Gegenstand mehrere Jahre beschäftigt. So habe ich vier Jahre lang nur Badende gemalt. Jetzt sind es Häuser. Aber es interessiert mich nicht, mich vor ein altes Haus zu setzen und es abzumalen. Ich möchte nicht ein Haus malen, sondern "das Haus". Dies bringt mich in einen Widerspruch. Das Haus müßte durch ein Zeichen symbolisiert werden, denn es ist ja kein konkretes Haus mehr. Es wäre dann allerdings ein immaterielles Haus. Aber mich fasziniert vor allem der materielle Aspekt an den Dingen. Mein Haus ist ein Kubus aus einem harten, verwitterten Material. Nein, keine Ziegelsteine regelmässig aufgeschichtet, kein abblätternder Putz, keine Moosflecken und all das, was naturalistische Maler interessiert. Eher Felsgestein oder uralter Lehm, ein hartes rauhes Material, das allen Zeiten getrotzt hat. Andererseits sind meine Häuser nicht verfallen. Ihre kubische Form ist integer geblieben. Ihre strenge Geometrie steht im Widerspruch zu ihrem naturhaften Material. Ihre Massigkeit widerspricht ihrer Anordnung im Bildraum, wo sie schweben können vor wattigweichen Wolken oder wie von Riesenhänden zu Haufen geschichtet sind. Das Haus, wie es mich fasziniert, ist desolat aber zugleich Zufluchtsort, ist strenger Kubus aber ebenso ein Menschenkopf, ist Urbild und doch nahezu haptisch spürbar.

Matthias Brandes, Juli 1995