Rezensionen

Franco Batacchi

In diesem Haus wohnt Utopia

Ein Haus, Archetyp eines Hauses. Ein italienisches, vielleicht toskanisches Haus. Eine toskanisches Haus ins transplantiert? Nein, transportiert. Schwebend und getragen vom Wind durch eines nordischen Himmel, klar und kühl. Ein einfaches Haus. Einfach so wie es die Kinder zeichnen: quasi kubisch, mit einem Satteldach ohne Dachvorsprung. Wenige Fenster - ohne Fensterläden, wie aufgesperrte Münder an den Fassade. an der seitlichen sichtbaren Front eine Tür mit Rundbogen. Manchmal führt sie auf eine Treppe die ins Dunkel eintritt. Im Giebel ein Rundfenster (Auge des Polyfem).

Häuer wie Dominosteine, umgestürzt und durcheinandergeworfen wie nach (oder vor) einer Spielpartie. Häuserhaufen, von einer anomalen tellurischern Kraft aufgebläht, die zwar die Integrität der Mauern repektiert aber Strassen und Plätze einer verlassenen Stadt ausradiert. Nur die Zypressen (wieder Toskana) und mancheine Pinie widerstehen, perfekt aufrecht und verwurzelt , unbezäuhmt der Naturkatastrophe. Die Natur behauptet ihre Vorherrschaft gegenüber der stumpfsinnigen Aggression des Bauens.

Häuser, die aus einer platten Lagune aufsteigen, oder aber auf eine Tischfläche gestellt sind wie ein Stilleben. Spielzeughäuser, die von lunaren Häuschen überflogen werden, von leuchtenden Wolken getrieben.

Ein schwarzes Haus. Das, was ich vorziehe, nichts "graziöses" ist ihm zugebilligt, nur vielleicht eine kleine Treppe mit hellblauem Geländer. Die unperfekte Axionometrie richtet es zu einem Monument auf, das würde auch Sironi gefallen. Innen könnte man die in Urugay hergestellten gigantischen Räder von Riccardo Pascale finden, oder ein massives Eisen von Pino Spagnulo.

Dies und anderes habe ich im Atelier von Matthias Brandes gesehen. Ich habe Gegenstände gesehen die zu Schaupielern befördert wurden (Stühle, alte Kaffeemaschinen). Ich habe eine zukünftige Malerei ahnen können, die mutig bei der menschlichen Figur abkommt und zwischen Masaccio und Balthus vermittelt.

Der Ursprung ist gotisch (als man noch keine Signaturen der Erinnerung anvertraute). Und dann weiter noch andere Namen, um die Bojen einer originellen Route zu kennzeichen: De Chirico, Magritte, Rosai, Gnoli, Clerici. Plötzliche farbliche Akzente wie bei Paolo Uccello, aber es überwiegt der "basso continuo" eines stofflichen Farbauftrags der schon Guarenti gefiel, präzis abgegrenzt und von glattgestrichenen Hintergründen abgesetzt, wie diejenigen von Donghi und Cagnaccio di San Pietro.

Rede zur Eröffnung der Ausstellung in der Galleria Santo Stefano/Venedig, 6.Februar 2000