Rezensionen

Gianfranco Barbieri

Entschiedene Materialität

Daß M.B. nichts mit den "Neuen Wilden" gemeinsam hat, ist leicht zu sehen. Schwieriger, aber wohl bezeichnender ist es, ihn von gewissem Pseudo-Realismus zu unterscheiden, der sich zu Unrecht auf Brecht beruft ("Von allen Werken die liebsten sind mir die gebrauchten. Die Kupfergefäße mit den Beulen und den abgeplatteten Rändern. Die Messer und Gabeln, deren Holzgriffe abgegriffen sind von den vielen Händen").

In der Tat, der Ansatz von M.B. ist subtiler und anspruchsvoller zugleich. Nehmen wir z.B. seine Stilleben. Ihre Konkretheit, ihre unzweifelhafte Dinghaftigkeit, diese entschiedene Materialität, die sie durchdringt, ist nicht auf Täuschung angewiesen. Jene Flaschen und Caffettieren, Gläser und Hüte sind nicht bloße Zeichen, um eine Reolität der italienischen Provinz zu fixieren, die M.B. allerdings gründlich kennenzulernen Gelegenheit hatte. Vielmehr sind diese Gegenstände, abgehoben vor der monochromen Leere des Hintergrundes, in einem prekären Gleichgewicht isoliert, das keinen direkten Bezug zu einem sozioökonomischen Kontext hat. Und dennoch, gerade ihre Eigenschaft, "Fundstück zu sein", erlangt unerwartete Wertigkeiten.

Die hervorstechende Klarheit des Zeichens führt dazu, den Betrachter auf tiefgründigerem (irrealen!) Niveau in die Wiedergewinnung einer Realität einzubeziehen, welche die Kultur der Massen-Medien (die Bezüge in diesem Sinne sind symptomatisch und erhellend) im Begriffe ist auszulöschen...

Vorwort zum Katalog der Austellung "Das stille Leben der Dinge" am Italienischen Kulturinstitut, Hamburg, 25.10. bis 15.11.1985